Nürtinger Liste/Grüne

Leserbrief, Anfang 2008, erschienen in der Nürtinger Zeitung:

Mut zum Neinsagen

Dieter Bopp, Nürtingen. In der Fernsehserie Um Himmels Willen versucht Bürgermeister Wöller aus Kaltenthal mit allen Mitteln, seine Interessen durchzusetzen. Eine couragierte Nonne durchschaut aber seine Pläne und vereitelt sie.

Sicher wird in dieser Serie zum Gaudium der Zuschauer viel übertrieben, aber die Realität ist nicht allzu weit davon entfernt. Auch unser Stadtoberhaupt führt den Gemeinderat an der Nase herum mit dem Spiel: Ich weiß etwas, was du nicht weißt, aber ich sage dir den Namen nicht! Aber es geht um 400 bis 500 Arbeitsplätze und eine Gebäudehöhe von 21 Metern. Dafür brauche ich 15 Hektar im Großen Forst! Auf Grund dieser Angaben befürworten die Stadträte dieses Vorhaben, sicher damals im Glauben zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger!

In der Zwischenzeit wurde ja die Anzahl der Beschäftigten auf 200 bis 250 relativiert, von denen letztlich vielleicht auch nur 100 oder 120 tatsächlich verwirklicht werden. Wie viele davon Nürtinger Bürger erhalten, ist unbekannt. Aber beim Wort Arbeitsplätze fallen bei vielen Stadträten alle Bedenken weg und alles wird genehmigt. Bei aller Wichtigkeit von Arbeitsplätzen darf aber nicht vergessen werden, dass der Große Forst ein geschlossenes, landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet ist, mit qualitativ hervorragenden Böden und entsprechend hohen Erträgen. Viel zu schade für ein Industriegebiet und dann auch unwiederbringlich verloren! Auch sollte man an die Nürtinger Familien denken, die diese Flächen bewirtschaften.

Meiner Ansicht nach besteht für die Ansiedlung eines Großbetriebs auch gar keine Notwendigkeit und ist auch nicht wünschenswert. Dieser bekommt einen billigen Bauplatz, wir ein paar Arbeitsplätze, den zusätzlichen Verkehr, keine Gewerbesteuer und einen Betonbau mit 21 Meter Höhe an einer exponierter Stelle, der in die Landschaft passt wie die Faust aufs Auge! Da sind einige kleinere Betriebe in der Bachhalde nützlicher für uns, dort ist auch noch Platz in Hülle und Fülle vorhanden. Auch kann bei einer Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent durchaus von Vollbeschäftigung gesprochen werden! Die Industrie jammert doch dauernd, sie bekomme keine Leute.

Wir haben leider keine couragierte Nonne, aber wir haben die Schutzgemeinschaft Großer Forst. Der Bevölkerung rate ich, sich in deren Unterschriftenliste einzutragen! Die Mitglieder des Stadtrats sollen ihrer Aufgabe als Regulativ zur Stadtverwaltung nachkommen und dieses unsinnige Projekt stoppen! Diesmal wirklich zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger!

Ja-Sagen ist bequem, Nein-Sagen erfordert Mut! Mut haben ist bewundernswert!